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Sommertörn auf der Nordsee

Die erhoffte große Fahrt muss leider noch warten, aber wenigstens konnten wir im August zwei Wochen lang mit Luna den Sommer auf der Nordsee genießen. Startpunkt unseres Sommertörns, bei dem uns Lisa und Franzi begleiteten, war Lunas Sommerliegeplatz im neuen Hafen von Bremerhaven. Da wir mit dem ablaufenden Morgenhochwasser auf die Nordsee fahren wollten, ging es am Montagmorgen schon um kurz vor sechs Uhr in die Schleuse. Der Lohn für das frühe Aufstehen: ein traumhafter Sonnenaufgang auf der Weser. Endlich Urlaub!

Sonnenaufgang in Bremerhaven
Nach der Ausfahrt aus der Schleuse in Bremerhaven zeigt sich uns ein toller Sonnenaufgang.

Der anschließende Weg nach Helgoland war lang, aber für den ersten längeren Schlag der Saison erstaunlich unspektakulär. Die ersten Seemeilen im Fahrwasser der Alten Weser fuhren wir noch mit „Dieselwind“. Später konnten wir dann aber die Segel setzen. Der achterliche Wind schob uns Seemeile um Seemeile gen Helgoland, ohne dass wir auch nur ein einziges Manöver fahren mussten – Kaffeesegeln at it’s best. So ließ es sich aushalten und es war halb so tragisch, dass wir erst gegen 18 Uhr im Helgoländer Südhafen festmachten – fast zwölf Stunden nach der morgendlichen Abfahrt. Für die Rund-Helgoland-Regatta brauchen wir uns mit dem Tempo nicht anzumelden, aber was soll’s – der Weg war das Ziel, und wir hatten frei.

An den folgenden beiden Tagen verleitete uns das sommerliche Wetter mit eher schwachen Winden dazu, Helgoland zu erkunden. Neben dem klassischen Inselrundgang, der schnell erledigt ist, stand diesmal auch ein Besuch der Düne inklusive Baden und am Strand liegen auf dem Programm. Die Abende nutzten wir zudem zum Bestaunen der Perseiden. Auch, wenn Franzi es auf magische Weise schaffte, das erste Dutzend Sternschnuppen zu verpassen, ging am Ende niemand leer aus.

Am Donnerstag fuhren wir weiter – und ließen uns von unseren Liegeplatznachbarn zu der gnadenlos blödsinnigen Idee überreden, ausgerechnet Amrum anzusteuern. Zitat: „Bei Südost-Wind ist das ein 1A-Anlieger!“. Andi merkte zurecht an, dass das vom Wind her knapp werden könnte – aber von der Revierkenntnis unserer Nachbarn beeindruckt, ließen wir uns darauf ein. Es kam, wie es kommen musste: Kaum hatten wir den Vorhafen verlassen, drehten unsere Nachbarn wegen technischer Probleme ab. Wir aber mussten an der Südtonne feststellen, dass der Weg nach Amrum selbst auf Amwind kaum zu schaffen war.

Luna südlich von Helgoland
Auf der Fahrt nach Amrum lassen wir Helgoland hinter uns.

Mit knalldicht geholten Segeln und etwas Dieselhilfe (aber psssst!) schafften wir es trotzdem. Vor dem Rütergat hatten wir großen Respekt: Hier zwängen sich die Gezeiten durch einen engen Trichter wie die Schnapskäufer auf dem Helgoländer Börteboot-Anleger: Dem ein oder anderen wird da schonmal schlecht. Hat aber alles geklappt, sodass wir mit dem letzten Abendrot auf Amrum ankamen. Das Anlegen gestaltete sich mangels eines geeigneten Liegeplatzes noch als ziemlich chaotisch, denn der kleine Hafen war ziemlich voll und das Wasser lief schon wieder ab. Wir waren froh, als wir endlich in die Kojen fallen konnten.

In einem Punkt hatten unsere Helgoländer Nachbarn, die uns den Amrum-Floh ins Ohr gesetzt hatten, aber Recht: Die Insel ist wunderschön. Noch dazu gab es Sommerwetter pur. Wir erkundeten die Insel zu Fuß, badeten am meilenlangen Kniepsand und warfen abends noch den Grill an. Am Samstag ging es auf die Hallig Hooge. Da es dort für Luna dort doch etwas flach geworden wäre, fuhren wir dann doch lieber mit der Fähre. Vor Ort wanderten wir dann über die Hallig und genossen die Fernsicht.

Strand und Dünen auf Amrum
Beim Aufenthalt auf Amrum erkunden wir den kilometerlangen Sandstrand und die angrenzenden Dünen.

Am Sonntag war dann eine Entscheidung fällig: wohin als nächstes? Da die Wetteraussichten das Ende der langen Ostwindphase ankündigten, fiel die Wahl schließlich auf Ostfriesland. Von dort aus wäre eine Rückfahrt nach Bremerhaven auch bei Wind aus westlichen Richtungen problemlos möglich. Der Wind war als schwach und später leicht zunehmend angekündigt, einem längeren Schlag inklusive Nachtfahrt stand also nichts im Wege. Wenn da nicht die Gefahr von Gewittern in den Abendstunden gewesen wäre. So bezogen wir als Ausweichhafen Helgoland in unsere Planungen ein. Besser so. Nachdem wir auf Amrum abgelegt hatten, konnten wir zwar segeln. Am Abend zeichnete sich dann aber am südlichen Horizont das erwartete Wetterleuchten ab. Statt hinein zu segeln, fiel die Wahl einmal mehr auf Helgoland. An der Insel führt auf der Nordsee nun mal kaum ein Weg vorbei. Die Bunte Kuh freut’s.

Weil es auch am nächsten Tag starken Wind, Regen und Gewitter gab, blieben wir noch einen Tag länger auf dem Felsen. Wir nutzten die Pause zum Schreiben von Ansichtskarten und zum Einkaufen. Zudem diskutierten wir ausgiebig die Optionen für die kommenden Tage: Wir blätterten in Törnführern, wälzten die Seekarten und Tidenkalender. Norderney, Spiekeroog, Cuxhaven – wir diskutierten sämtliche Optionen und verwarfen die meisten dann doch wieder. Letztlich fiel die Wahl auf Hooksiel.

Natürlich bedeutete das wieder frühes Aufstehen. Wenigstens waren wir nicht die einzige Crew, die morgens um vier aus dem Päckchen startete. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Südhafen setzten wir bei beginnender Morgendämmerung die Segel und fuhren in Richtung Jademündung. Zwischendurch drehte der Wind zwar zu unseren Ungunsten, aber wir erreichten die Schleuse dennoch auf die Minute zur 14-Uhr-Schleusung. Anschließend folgte eine entspannte Fahrt über das Hooksmeer und das Hooksieler Binnentief – immer mit einem skeptischen Auge aufs Lot. Vorbei an mehreren Marinas und Stand-Up-Paddlern gelangten wir in den Alten Hafen von Hooksiel. Ein ziemlich verrückter Anblick.

Grasende Schafe am Hooksieler Binnentief
Schafe grasen am Ufer des Hooksieler Binnentiefs, als wir mit Luna in Richtung Hooksiel fahren.

Den Rest des Montags erkundeten wir die nähere Umgebung. Lisa und Micha machten sich zwecks Dusche zudem mit unserem Bananenboot „Lunette“ auf den Weg zur nächsten Marina. Tags darauf unternahmen wir den sportlichsten Ausflug des Urlaubs: eine Radtour mit Leihrädern ins gut 13 Kilometer entfernte Jever. Dort besuchten wir natürlich auch einen Biergarten. Der gehörte allerdings nicht zur gleichnamigen Biermarke, sondern zu einer kleinen Brauerei. Und das Bier dort war noch dazu ziemlich lecker.

Während wir in Hooksiel lagen, zeichnete sich mehr und mehr ab, dass sich das Wetter und insbesondere der Wind zum Ende der Woche hin deutlich verschlechtern sollten. Deshalb planten wir, spätestens Freitagmorgen wieder in Bremerhaven festzumachen. Am Donnerstagmittag verließen wir Hooksiel unter den Blicken zahlreicher Restaurantgäste.

Luna im Alten Hafen Hooksiel
Luna liegt sicher im Alten Hafen in Hooksiel.

Nach der Ausfahrt aus der Schleuse war unser Ziel bereits in Sicht: Bremerhaven kündigte sich mit seinen Containerbrücken am östlichen Horizont an. Aber wie das eben so ist auf der Nordsee: die Wasserfläche zwischen uns und dem Ziel war trügerisch. Selbst bei Springhochwasser wäre es dort für Luna zu flach. So blieb uns nichts anderes übrig, als zunächst nach Norden abzudrehen – erst die Jade hinunter, dann die Weser hinauf.

So legten wir statt den 15 Seemeilen direktem Weg gut 45 zurück, bis wir auf der Weser in Höhe der Containerbrücken waren. Zu dem Zeitpunkt war es bereits weit nach Mitternacht und wir hatten auf der langen Fahrt einen atemberaubenden Sonnenuntergang an der Wesermündung sowie viele Stunden Wetterleuchten am westlichen Horizont beobachtet. Von Gewittern blieben wir aber zum Glück verschont. Nur ein Regenschauer erwischte uns dann doch noch – wie es sich gehört, kurz vor dem Anlegen.

Am Freitag unternahmen wir dann noch einen letzten kleinen Segelausflug – allerdings nicht mit Luna, sondern mit „Lunette“ im Hafenbecken. Nicht nur wir hatten viel zu lachen, sondern auch zahlreiche Passanten. Dabei ist doch eigentlich völlig schnuppe, ob man mit einem großen Boot segelt oder mit einem kleinen, und ob man lange oder kurze Schläge macht: Hauptsache, man kommt aufs Wasser und hat Spaß dabei.

Lunette im Neuen Hafen Bremerhaven
Franzi und Micha segeln mit Lunette im Becken des Neuen Hafens von Bremerhaven

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